Mit Sorge blicke ich – wie wohl viele von Ihnen – auf die Entwicklungen im Nahen Osten. Gewalt und Krieg gelten wieder zunehmend als vermeintliche Lösungen für Konflikte. Die Situation im Iran löst in mir gemischte Gefühle aus: Einerseits hoffen viele auf ein Ende der Unterdrückung, andererseits wächst die Angst vor einem eskalierenden Großkonflikt. Während Sie diese Zeilen lesen, könnte sich die Lage bereits verändert haben.
Runder Tisch im Januar
Ende Dezember 2025 gingen unzählige Menschen im Iran auf die Straße. Die Proteste wurden brutal niedergeschlagen – Menschenrechtsorganisationen sprechen von bis zu 30.000 Toten. Dieses erschütternde Ereignis veranlasste mich, im Bayerischen Landtag zu einem Runden Tisch einzuladen. Auch in Bayern verfolgen viele Angehörige und Exil-Iraner*innen die Ereignisse mit großer Anteilnahme und fragen sich, wie sich ihr Heimatland entwickeln wird.
Als Abgeordnete mit kurdischen Wurzeln und durch meine Kontakte zu iranischen Menschenrechtsgruppen sowie zur iranischen Community habe ich in den vergangenen Wochen an Kundgebungen und Gesprächen teilgenommen. „Jin, Jiyan, Azadî“ – „Frau. Leben. Freiheit. “ – steht nicht nur für den Kampf der Frauen um Selbstbestimmung. Es symbolisiert das Streben einer ganzen Bevölkerung nach Freiheit, Frieden und Mitbestimmung.
Unser Iran-Antrag im Bayerischen Landtag
Gemeinsam mit meiner Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN habe ich einen Antrag in den Bayerischen Landtag eingebracht, der konkrete Schutzmaßnahmen für gefährdete Iraner*innen in Bayern fordert. Wir verlangen die Verurteilung der massiven Menschenrechtsverletzungen, einen bundesweiten Abschiebestopp und unbürokratische Visa-Verlängerungen für Betroffene. Ziel ist es, bedrohte Menschen zu schützen, transnationale Repression zu verhindern und unserer humanitären Verantwortung gerecht zu werden.
Jetzt kommt es darauf an, Eskalationen zu vermeiden und humanitäre Strukturen zu stärken. Internationale Zusammenarbeit spielt dabei eine entscheidende Rolle. Doch ich vermisse eine klare Linie in der deutschen Außenpolitik. Es geht darum, die Zivilbevölkerung besser zu schützen, demokratische Bewegungen zu fördern und langfristige Stabilität zu sichern. Das gelingt nur mit unseren Verbündeten und einer abgestimmten internationalen Strategie.
Krieg als wirtschaftliches und ökologisches Risiko
Die jüngsten Ereignisse wirken sich bereits auf die Weltwirtschaft aus. Steigende Öl- und Gaspreise zeigen, wie empfindlich globale Märkte auf Unsicherheiten reagieren. Gefährdete Handelsrouten und die Abhängigkeit von fossilen Energien verschärfen die wirtschaftlichen Belastungen – auch hier in Bayern. Verbraucher*innen spüren das direkt, etwa durch höhere Benzinpreise.
Diese Entwicklung macht deutlich, wie verletzlich uns energiepolitische Abhängigkeiten machen. Sie zeigt auch, wie dringend wir nachhaltige Alternativen und langfristige Strategien brauchen. Ich hoffe, dass mehr Menschen erkennen, wie wichtig die Unabhängigkeit von Öl und Gas ist – nicht nur wegen der Heiz- und Mobilitätskosten, sondern auch für den Klimaschutz.
Was können wir vor Ort tun?
Die Lage im Iran und in der gesamten Region muss im Fokus der internationalen Aufmerksamkeit bleiben – sie betrifft auch uns in Bayern. Humanitäre Hilfe und eine klare politische Perspektive sind entscheidend, nicht nur für die Menschen vor Ort, sondern für die gesamte Region. Solidarität und Zusammenhalt werden in den kommenden Monaten besonders wichtig sein.
Ich möchte mit Ihnen im Austausch bleiben. Schreiben Sie mir gern unter info@guelseren.de.
